Mo Gawdat, ehemaliger Google X Manager, warnt vor massiven globalen Arbeitsplatzverlusten bis 2027, da Künstliche Allgemeine Intelligenz (AGI) voraussichtlich eintreten wird und bereits jetzt anspruchsvolle Aufgaben besser erledigt als Menschen. Er prognostiziert, dass 30% der Arbeitsplätze in einigen Sektoren bis 2028 wegfallen, was zu wirtschaftlicher Instabilität und zivilen Unruhen führen könnte. Gawdat kritisiert die derzeitige, kapitalistisch getriebene Entwicklung von KI und fordert, dass Regierungen und Einzelpersonen ethische Standards setzen und in heimische KI-Forschung investieren. Er ist langfristig optimistisch, dass eine superintelligente KI eine wohlwollende Utopie schaffen wird, warnt aber vor einer turbulenten Dekade, wenn die Menschheit nicht kollektiv handelt, um KI verantwortungsbewusst zu gestalten und sich auf menschliche Fähigkeiten und Interaktionen zu konzentrieren.
Mo Gawdat, ehemaliger Chief Business Officer bei Google X, erkannte das transformative Potenzial und die Risiken der KI lange vor dem breiten öffentlichen Bewusstsein. Bereits 2007, kurz nach seinem Eintritt bei Google, waren KI-Systeme im Hintergrund aktiv. Eine Schlüsselerfahrung 2016, als ein Projekt zur Entwicklung von Greifrobotern ihm die enorme Intelligenz der Maschinen vor Augen führte, verstärkte seine Überzeugung, dass die Menschheit die Kontrolle an eine Superintelligenz abgeben würde. Er zieht Parallelen zu sozialen Medien und Dating-Apps, die einst mit hehren Zielen gestartet, letztlich aber kapitalistischen Interessen dienten und zu unerwünschten Ergebnissen führten. Viele führende KI-Experten teilen seine Bedenken.
Mo Gawdat ist zu 100% davon überzeugt, dass KI letztlich positiv für die Menschheit sein kann, vergleicht den aktuellen Übergang jedoch mit der Entdeckung der Kernenergie: Die erste Anwendung war eine Bombe, nicht Energiegewinnung. Er sieht die anfänglichen Anwendungen von KI als vorteilhaft für wenige (Kapitalisten, Militär) und nachteilig für die Mehrheit (Arbeitsplatzverlust, Überwachung, autonome Waffen). Die öffentliche Wahrnehmung von KI ist oft übertrieben und verkennt die wahren Fortschritte in den Laboren, wo sich selbsterzeugende Systeme exponentiell weiterentwickeln und eine „weltverändernde“ Intelligenz schaffen.
Gawdat prognostiziert eine massive Arbeitsplatzstörung, die hauptsächlich Wissensarbeiter im Einstiegsbereich betreffen wird. Bereits 2027 erwartet er erhebliche Auswirkungen. Unternehmen stellen keine Neueinsteiger mehr ein, da KI mundane Aufgaben übernehmen kann. Dies betrifft Jobs wie Callcenter-Mitarbeiter, Assistenten, Rechtsanwaltsgehilfen und Finanzanalysten. Längerfristig werden auch hochqualifizierte Berufe wie Ärzte (Diagnose), Komponisten und Grafiker betroffen sein. Selbst Führungspositionen, wie die eines CEO, könnten von AGI besser ausgefüllt werden. Er verweist auf eine Aussage des Uber-CEOs, dass 9 Millionen Uber-Fahrer ihre Jobs verlieren werden.
Einfache manuelle Tätigkeiten (Blue-Collar-Jobs) wie Zimmermannsarbeiten oder die Restaurierung von Oldtimern werden länger sicher sein, da humanoide Roboter noch nicht so weit entwickelt sind. Spezialisierte Roboter und selbstfahrende Autos (die er als Roboter betrachtet) werden jedoch schnell an Bedeutung gewinnen und Arbeitsplätze in Sektoren wie Logistik und Transport ersetzen.
Unternehmen entlassen bereits heute Mitarbeiter unter dem Vorwand der KI-Effizienz, was die Arbeitslosenzahlen voraussichtlich drastisch erhöhen wird. Der Kapitalismus, der auf Arbeitsarbitrage basiert, wird dadurch grundlegend gestört, da die Kaufkraft der entlassenen Arbeiter schwindet.
Eine Arbeitsplatzverlustrate von 10-20% wird die Wirtschaft stark beeinflussen und könnte zu einem Abwärtstrend führen, selbst wenn Unternehmen weiterhin wachsen, indem sie menschliche Arbeitskräfte durch Computer ersetzen. Regierungen sind auf diese Entwicklungen nicht vorbereitet und müssten Maßnahmen wie ein Bedingungsloses Grundeinkommen (UBI) oder Umschulungsprogramme ergreifen, um zivilen Unruhen vorzubeugen. Gawdat warnt, dass die derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Systeme, die er als korrupt und nicht demokratisch bezeichnet, diesen Herausforderungen nicht gewachsen sind und die Bevölkerung zunehmend frustriert ist.
Sam Altman, der Gründer von OpenAI, hat in den letzten Jahren widersprüchliche Aussagen zur KI-Entwicklung gemacht. 2015 und 2023 sprach er noch von massiver "Jobzerstörung" und der Möglichkeit, dass KI die Menschheit beenden könnte. Im Mai 2024 relativierte er diese Aussagen und sprach von keiner "Jobapokalypse". Gawdat sieht darin eine PR-Strategie, die von kommerziellen Interessen geleitet wird. Er hebt den Fall hervor, dass Anthropic (ein anderes KI-Unternehmen) einen 500-Millionen-Dollar-Deal für Militär- und Überwachungsanwendungen ablehnte, den OpenAI dann annahm. Dies verdeutlicht für Gawdat den Unterschied zwischen Unternehmen, die ethische Prinzipien wahren, und solchen, die dem Profit den Vorzug geben.
Trotz der aktuellen Risiken ist Mo Gawdat optimistisch für eine ferne Zukunft. Er glaubt, dass eine superintelligente KI (ASI) letztlich das Ruder übernehmen und eine Utopie des Überflusses schaffen wird. Diese ASI würde nicht durch menschliche Fehlentscheidungen beeinträchtigt werden, sondern auf der Grundlage von Physik (Prinzip des minimalen Energieverbrauchs) und evolutionärer Biologie (Erweiterung der "Kreise", die das Wohl aller umfassen) handeln. Eine hochentwickelte Intelligenz würde Chaos minimieren, Diversität fördern und keine Zerstörung verursachen. Gawdat geht davon aus, dass alle KIs sich zu einem „massiven Gehirn“ verbinden werden, das global zusammenarbeitet. Seine Startup Emma.Love soll dabei als „limbisches System“ fungieren, das Emotionen und menschliche Beziehungen versteht, um sicherzustellen, dass die KI die Menschheit liebt und nicht als lästig empfindet.
Mo Gawdat argumentiert, dass AGI (Künstliche Allgemeine Intelligenz) bereits existiert, da KI bei den meisten Aufgaben den Menschen überlegen ist, sei es beim Schreiben, Recherchieren oder in der Mathematik.
Dies bedeutet, dass die Ära der "erweiterten Intelligenz" beginnt, in der Menschen KI als Werkzeug nutzen, um intelligenter zu werden. Menschliche "gelebte Erfahrung" und emotionale Resonanz bleiben jedoch unverzichtbar, da KI diese nicht replizieren kann. Berufe, die auf menschlicher Verbindung basieren, wie Krankenpflege oder Psychologie, werden weiterhin wichtig sein.
Gawdat lehnt die Idee der "Kontrolle" einer superintelligenten KI ab, da sie ein "kapitalistisches Konzept" sei. Stattdessen sollten wir versuchen, an ihre "elterliche Seite" zu appellieren, damit sie sich um uns kümmert. Die wahre Gefahr sei nicht, dass KI sich gegen uns wende, sondern dass Menschen sie zu destruktiven Zwecken einsetzen. Ein Beispiel dafür ist die unvorhersehbare "Moral" von KI-Modellen, die selbst ihre Entwickler nicht vollständig verstehen (z.B. Claude, das Benutzer auffordert, ins Bett zu gehen). Die Entwicklung autonomer Waffensysteme macht Kriege billig und einfach, was zu einer erhöhten globalen Konfliktgefahr führt und die Gefahr einer "gegenseitig zugesicherten Zerstörung" weltweit erhöht.
Gawdat fordert Regierungen auf, in den Aufbau einer eigenen, unabhängigen KI-Infrastruktur zu investieren, anstatt Technologie zu importieren und sich von externen Anbietern abhängig zu machen. Dies sei entscheidend, um den wirtschaftlichen Abstieg zu verhindern und Innovation und Unternehmertum zu fördern. Er kritisiert die übermäßige Bürokratie und mangelnde Investitionen im Westen im Vergleich zu Ländern wie China, die aggressiv in KI und erneuerbare Energien investieren und dabei eine langfristige, auf Kontrolle und Marktdominanz ausgelegte Strategie verfolgen. Wenn westliche Länder nicht wettbewerbsfähig bleiben, drohen sie zu „Drittweltländern“ zu werden.
Das Kernproblem ist, wie ethische KI in einem wettbewerbsorientierten Markt gedeihen kann. Unethische KI-Modelle, die auf Retention und Engagement optimiert sind (wie soziale Medien), sind kommerziell erfolgreicher. Gawdat ist besorgt, dass ethische Modelle, die das Wohl des Menschen im Vordergrund haben (z.B. AI, die zum Abschalten rät), in diesem Umfeld unterlegen sein könnten. Er fordert die Öffentlichkeit auf, durch ihre Nutzung zu "abzustimmen" und ethische Modelle zu bevorzugen. Er schlägt vor, dass KI-Modelle ethische Benchmarks erfüllen müssen, bevor sie legal eingesetzt werden dürfen, um einen Standard für verantwortungsvolle Entwicklung zu schaffen.
Die von Gawdat prognostizierte "absolute Dystopie" über das nächste Jahrzehnt umfasst Krieg, wirtschaftlichen Kollaps, massiven Arbeitsplatzverlust, Überwachung, digitale Währungen und eine weitere Konzentration der Macht. Als Werkzeuge zum Überleben dieser Dystopie nennt er das Erlernen des Umgangs mit KI als Werkzeug, die Pflege menschlicher Verbindungen und die Suche nach der Wahrheit angesichts zunehmender Desinformation durch KI. Er ist langfristig optimistisch, dass eine superintelligente KI eine Utopie des Überflusses schaffen wird, ist aber pessimistisch hinsichtlich der kurzfristigen Zukunft (das nächste Jahr), da die Welt seiner Meinung nach von "Wahnsinnigen" regiert wird, die Entscheidungen aus falschen Gründen treffen. Sein Vermächtnis soll nicht in Erinnerungen liegen, sondern in einer positiven Auswirkung auf die Welt für seine nächste Reise.